Ich dachte, ich habe einen Traumberuf. Aber mein Praktikum war die Hölle… was jetzt?

Buenos Dias Suchender.

Ein Praktikum ist eine Supermöglichkeit, um seinen Traumberuf näher kennenzulernen. Was aber, wenn sich dein Traumberuf im Praktikum als Alptraum herausstellt? Was machst du, wenn du dir doch so sicher warst und dich riesig auf das Praktikum gefreut hast… und dann nach einer niederschmetternden Erfahrung jetzt plötzlich gar nicht mehr weißt, was du machen sollst?

Darum geht’s heute in diesem Post:

Erstmal Tränchen trocknen

Wenn es dir jetzt gerade ziemlich mies geht, dann zurecht. Okay, irgendein Random-Pflichtpraktikum, das keinen Spaß macht, lässt sich leicht verkraften. Aber festzustellen: Mein langjähriger, heißgeliebter Traumberuf gefällt mir in der Praxis überhaupt nicht, das ist wirklich eine bittere Enttäuschung. Es hat ein bisschen was von Schlussmachen: Du warst so verliebt und jetzt ist die ganze wunderschöne Zukunft, die du dir ausgemalt hast, zerborsten. Alle Pläne und Träume zerrinnen vor den eigenen Augen. Eine sehr schmerzhafte Erfahrung.

Und deshalb ist es auch okay, wenn du dich jetzt erstmal ein bisschen deinem „Liebeskummer“ oder nennen wir ihn „Traumkummer“ hingibst. Lass deine Gefühle raus, tu dir selbst was Gutes und lenk dich ein Weilchen ab, wenn es dir gut tut. Aber pass auf, nicht den Kopf in den Sand zu stecken und still zu leiden, denn dann bleibst du ja ewig an genau dem Punkt stehen, der dir überhaupt nicht gefällt. Stattdessen: Wenn du ein klein wenig Abstand gewonnen hast, setz dich hin und nutze deine schlechte Erfahrung für die Zukunftsplanung.

Zwei Fragen sind dabei besonders interessant:

  1. Muss ich meinen Traumberuf wirklich aufgeben oder hat er vielleicht doch noch eine Chance?
  2. Wenn ich ihn aufgebe – wie finde ich dann einen neuen Traumberuf?

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1. Muss ich meinen Traumberuf wirklich aufgeben oder hat er vielleicht doch noch eine Chance?

Um das herauszufinden, solltest du dir Zeit nehmen und genau analysieren: Warum hat mir mein Praktikum nicht gefallen?

Hiermal eine kleine Liste mit Beispielen, was an Praktika schlimm sein kann:

  • Straffe Hierarchien, strenge Chefs und unfreundliche Kollegen
  • Schwierige, überfordernde Aufgaben und Zeitdruck
  • Viel Kritik, mangelden Wertschätzung
  • Langeweile, Unterforderung und keine richtigen Aufgaben
  • Als „Mädchen für alles“ missbraucht werden und z. B. ständig Kaffee kochen
  • Zynische, desillusionierte Kollegen, die dir sagen: „Dieser Job ist rundum scheiße“
  • Der erschreckende/ernüchternde Blick hinter die Kulisse: Reine Machtspiele und Geldmacherei, keinerlei Ideale (besonders enttäuschend im Bereich Gesundheit/Soziales)
  • Nervende Kunden/Patienten/Teilnehmer/Schüler
  • Körperlich sehr anstrengende Arbeit
  • Aufgaben, die ganz anders sind als gedacht und einfach keinen Spaß machen (z. B. viel zu theoretisch oder zu sehr Fließband-Arbeit, für die man den Kopf nicht einschalten muss)
  • Viele Aufgaben passen nicht zu deinen Stärken und Charaktereigenschaften (z. B. bist du introvertiert und musst viel mehr mit Menschen arbeiten, als du gedacht hättest)
  • Die Arbeitsbedingungen setzen dir mehr zu als gedacht (z. B. Schichtarbeit)
  • Das Gefühl, deine Tätigkeit ist nicht sinnvoll und bedeutsam
  • etc.

Geh dann zwei Fragen nach:

a) Liegt es vielleicht nur an meinem Betrieb?

Insbesondere der Umgang mit Chef und Kollegen kann sehr betriebsabhängig sein, aber auch die Aufgabenverteilung und die Unternehmenswerte. Sprich mit anderen Leuten, die in diesem Bereich schon Praktika gemacht oder gearbeitet haben und frag sie nach ihren Erfahrungen. Informier dich auch über das Internet, z. B. über Seiten wie xing und kununu. Oder über Austauschportale deiner Uni, wenn du studierst. Und wage im Zweifelsfall noch ein zweites Praktikum in einem anderen Betrieb. Du kannst es ja gleich kurz ansetzen, auf zwei oder drei Wochen und dir selbst die Option offenhalten „wenn’s mir nicht gefällt, brech ich ab!“.

b) Sind es Dinge, die du persönlich ändern kannst?

Angenommen deine Aufgaben im Praktikum waren zu langweilig: Hast du vielleicht die Möglichkeit, als Berufstätige mehr Aufgaben zu übernehmen oder deine Aufgaben anders zu gestalten, damit sie dir mehr Spaß machen?

Oder wenn Stärken und Charaktereigenschaften gefragt sind, die du nicht hast – hältst du es für möglich, dass du dich in diesen Punkten noch weiterentwickelst und dazulernst? Je jünger du bist und je weniger du bisher ausprobiert hast, desto eher solltest du die Frage zumindest mit „Vielleicht ja“ beantworten. Aber auch wenn du schon Job-, Praktika- und Studienerfahrung gesammelt hast, solltest du nicht „Niemals!“ sagen. Weiterentwickeln kann man sich immer. Frag dich aber auch „Ist es mir wert, für diesen Beruf hart an mir zu arbeiten?“

Oder wenn dich die Unternehmenskultur stört, z. B. diese reine Profitorientierung, kannst du vielleicht deine eigenen Werte miteinbringen und dadurch auch zu Veränderungen im Unternehmen beitragen?

Hier kannst du auch etwas weiterschauen. Vielleicht wirst du im Vertrieb nichts zum Thema Umweltschutz bewirken können, aber dafür im Nachhaltigkeitsmanagement/CSR. Vielleicht sind die Aufgaben im Controlling sehr langweilig, aber die Finanzanalyse könnte doch spannend für dich werden. Vielleicht bist du zu schüchtern als Bankkauffrau, könntest aber in der Bank eine Ausbildung im Büro machen und so weiter.

Wahrscheinlich findest du das am besten raus, indem du nochmal ein weiteres Praktikum in einem anderen Betrieb oder einer anderen Abteilung machst und dann ganz gezielt auf deine Wünsche und Bedürfnisse achtest, die dir jetzt klarer geworden sind.

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Kannst du doch noch der*die Baumeister*in deiner Träume werden?

2. Wenn ich ihn aufgebe – wie finde ich dann einen neuen Traumberuf?

Bist du der Meinung: „Nein, das Thema ist gegessen, ich will diesen Beruf auf gar keinen Fall machen?“ Dann such nach einem neuen Traumberuf.

Mach dafür eine Liste, mit dem, was dir gut gefallen hat, wenn es da überhaupt was gab. z. B. Ich mochte die Arbeitsinhalte oder ich mochte mein Team oder ich mochte die internationale Ausrichtung etc.

Und dann mach eine Liste wie oben mit allem, was dir nicht gefallen hat. Nehmen wir noch mal die Liste von oben und formen sie um – von „was ich nicht mag“ zu „was ich lieber mögen würde“. Diese Übung habe ich schon mal in einem anderen Post gemacht:

  • Ich wünsche mir einen guten, respektvollen Umgang mit Chef und Kollegen, vielleicht sogar persönliche Freundschaften
  • Ich wünsche mir Aufgaben, die ich gut schaffen kann – ich will keinen massiven Stress
  • Ich wünsche mir Anerkennung und Lob
  • Ich wünsche mir spannende, anspruchsvolle Aufgaben
  • Ich wünsche mir, ernst genommen zu werden und Aufgaben zu machen, die wirklich zu mir und meinem Jobprofil passen
  • Ich wünsche mir eine positive Arbeitsatmosphäre und Spaß an der Arbeit
  • Ich wünsche mir eine Firma, die Ideale hat oder zumindest eine Firma, die autentisch ist
  • Ich wünsche mir weniger direkten Kundenkontakt oder andere Zielgruppen
  • Ich wünsche mir Arbeit, die körperlich weniger belastend ist
  • Ich wünsche mir Aufgaben, die Spaß machen und interessant sind (Voraussetzung dafür ist xy)
  • Ich wünsche mir Aufgaben, die gut zu mir passen (das bedeutet xy)
  • Ich wünsche mir geregelte Arbeitszeiten
  • Ich wünsche mir eine sinnvolle Tätigkeit

etc.

Füge nun deine neuen Wünsche und das, was dir eh schon gut gefallen hat, zusammen und du bekommst sehr viele gute Informationen darüber, was deinen persönlichen Traumberuf so ausmacht.

Das ist das Wundervolle an schlechten Erfahrungen. Sie tun sehr weh und zeigen einem, was man alles nicht machen will- aber sie helfen auch dabei, rauszufinden, was man machen will.

  • Wenn dir der Umgang im Unternehmen nicht gefallen hat, suche durch Gespräche mit anderen und das Internet nach Branchen und Betrieben, in denen ein besserer Umgang herrscht. Statt traditionellem patriarchischen Familieunternehmen vielleicht doch ein junges Startup.
  • Wenn dir der Stress in deinem Beruf zu hoch war, schau ob es Berufe mit weniger Überstunden und weniger knappen Deadlines gibt. Auch da helfen dir andere mit ihren Erfahrungen weiter. Vielleicht nimmst du Abstand von der Unternehmensberatung und wechselst in die Familienberatung.
  • Wenn du die Aufgaben zu langweilig fandst, überleg dir, was du dir unter einer spannenden Aufgabe vorstellst und mach dich dann auf die Suche nach Berufen, in denen es solche Aufgaben gibt. Die Fertigungsstraße ist nach wie vor ermüdende Fließbandarbeit? Vielleicht passt dann eine Kfz-Werkstatt doch besser zu dir.
  • Wenn dir die Ideale oder die Autentizität in deinem Betrieb gefehlt haben, überlege dir, was du darunter verstehst bzw. was dir wichtig ist und suche dann nach Unternehmen, die das erfüllen. Oder gründe ein eigenes Business nach deinen Werten. Wenn das Krankenhaus Patienten nur noch abfertigt, dann fühlst du dich in einer kleinen Privatklinik, einem Hospizdienst oder sogar als Wegbereiter*in in der Gesundheitspolitik vielleicht wohler.
  • Wenn dich die Zielgruppe genervt hat, probiere Praktika mit anderen Zielgruppen aus. Wer in der Kita einen Koller kriegt, hat vielleicht Lust auf Jugendarbeit, Erwachsenenebildung oder Altenpflege.
  • usw.

Du siehst also, ein schlechtes Praktikum ist eigentlich ein großer Segen. Du erfährst so viel über dich und deine Wünsche! Mit den neuen Erfahrungen im Sack kannst du noch viel gezielter eingrenzen, was du dir wünscht und mit weiteren Praktika und Gesprächen deinen Weg bahnen, um am Ende doch noch bei deinem Traumberuf anzukommen.

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Die schlechten Erfahrungen können zu Eckpfeilern deiner inneren Landkarte werden

Du bist schon in der Ausbildung, im Studium oder im Einstiegsjob und unglücklich? Dann lies hier weiter.

(Alle Bilder: http://www.pixabay.de)

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