Interview: Mein Weg nach dem Abi- Teil 9: War nicht alles einfach, aber jetzt bin ich glücklich

Hallo Suchender,

heute gibt es mal wieder ein Interview mit einer Freundin von mir. Wie sah ihr Weg nach dem Abi aus?

Hey Agnes. Los geht’s. Was hast du nach dem Abi gemacht?

Ich hatte viele Träume. Aber leider war damals mein Selbstbewusstsein nicht so groß und ich habe mich vieles nicht getraut. Ich wäre zum Beispiel gerne Meeresbiologin geworden, aber alle haben mir abgeraten wegen der Perspektiven. Oder Pilotin, aber alle meinten, als Frau in so einer Männerbranche, das ist echt hart. Da habe ich es dann nicht gemacht. Ich habe mich auch schon immer für Autos, Technik und Kunst interessiert. Am Ende habe ich mich für eine Ausbildung als Assistentin für Medien und Kommunikation entschieden. Das heißt heute gestaltungstechnische Assistentin.

Wie hat es dir gefallen?

Es hat mir viel Spaß gemacht. Ich bin künstlerisch begabt und es war genau mein Ding. Nach der Ausbildung habe ich dann beim Film angefangen – aufregend, oder? Man macht da alles mögliche im Bereich Design. Ich habe vor allem Bilder und Videos z. B. mit Photoshop bearbeitet und war auch beim Aufbau von Kulissen und Sets für Szenen mit dabei. Genau genommen war ich das Mädchen für alles. Ich hab sogar die LKWs durch halb Deutschland gefahren und war beim Aufbau und bei Veranstaltungen mit dabei.

Wow! Hat es dir Spaß gemacht?

Eigentlich mochte ich meine Arbeit. Aber es war oft sehr stressig und sehr anstrengend. Wir hatten meistens knappe Deadlines und haben körperlich ganz schön geschuftet. Außerdem war der Umgang total scheiße. Man wurde da richtig fertig gemacht, gerade so als kleine unbedeutende Assistentin. Das war richtiggehend Mobbing. Und das hat mich total kaputt gemacht. Ich habe Depressionen entwickelt und musste irgendwann aufhören, weil ich es gesundheitlich nicht mehr geschafft habe.

Ohweh. Wie ging es dann weiter?

Erstmal hab ich eine Therapie begonnen und mich um mich gekümmert. Und dann stand die Frage im Raum: Was jetzt? Ich hatte wieder tausend Ideen, war aber jetzt noch mutloser als zu Beginn. Mein geringes Selbstvertrauen war beim Film komplett aufgefressen. Ich habe überlegt, einfach LKW-Fahrerin zu werden, aber das ist nicht so familienkompatibel und ich wollte echt gerne Kinder haben. Dann habe ich einen Ausbildungsplatz als Fahrzeuglackiererin gefunden. Das hätte mir Spaß gemacht. Aber es wäre weit weg von meinem Freund gewesen und ich wollte mit ihm endlich zusammenziehen. Also habe ich das auch aufgegeben. Dann habe ich in der Nähe von meinem Freund ein Praktikum in der Kita gemacht.

Wie war das Praktikum so?

Endlich habe ich mich mal wieder wohlgefühlt. Es gab da gar nicht diesen Druck und diesen Umgang wie beim Film. Alle waren nett zu mir und die Kinder mochten mich total gerne leiden. Da dachte ich: Das hier ist ein Beruf, den ich mir echt dauerhaft vorstellen kann! Der Kindergarten hat mir empfohlen, Erziehungswissenschaft zu studieren. Ich weiß im Nachhinein gar nicht wieso, ich hätte ja auch die Ausbildung machen können. Aber dann habe ich eben studiert. Das Studium fiel mir nicht so leicht und hat mir auch nicht sooo viel Spaß gemacht. Ich glaube, rückblickend hätte ich lieber direkt die Ausbildung gemacht. Aber es war ok. Ich hab es durchgezogen.
Und einen Vorteil hatte es: Ich habe im Studium meine kleine Tochter bekommen. Das war mit dem Studium ganz gut vereinbar, ich konnte viel Home Arbeit machen. Ich weiß nicht, ob es in der Ausbildung auch so gut geklappt hätte.

Was hast du nach dem Abschluss gemacht?

Das, was ich schon lange wollte. Ich habe in einer Kita angefangen. Es war nicht meine absolute Lieblingskita, aber für den Anfang auf jeden Fall okay. Ich habe eine ganze Zeit gearbeitet, bis dann meine zweite Tochter zur Welt gekommen ist. Dann haben mein Freund und ich auch geheiratet und uns immer mehr Gedanken über die Zukunft gemacht. Ich komme ursprünglich aus Dänemark. Ich bin zwar in Deutschland aufgewachsen, aber war als Kind in den Ferien immer bei der Familie. Ich liebe dieses Land und habe schon lange davon geträumt, dorthin zurückzuziehen. Auch mein Mann ist großer Fan. Und zufällig hat seine Firma auch einen Sitz in Kopenhagen.
Wir hatten lange schon darüber gesprochen. Jetzt wurden unsere Pläne immer konkreter. Als die Kleine ein Jahr alt war, haben wir den Schritt gewagt und sind nach Dänemark umgezogen.

Wie geht es dir jetzt?

Ich bin so, so glücklich! Wir haben hier ein wunderschönes Haus im Grünen. Ich habe wieder einen Job in einer Kita, der mir richtig gut gefällt. Meine kleine Familie ist gesund und munter. Ich habe in meinem Leben schon viel Scheiße fressen müssen, aber nach all der Mühe habe ich jetzt endlich mein Traumleben.

Was würdest du Leuten raten, die gerade Abi machen?

Ich bin echt glücklich heute, aber wenn ich noch einmal anfangen könnte, würde ich Dinge anders machen. Mir hat es an Selbstbewusstsein gefehlt und zusätzlich war meine Mutter auch noch überkritisch mit mir. Deshalb war ich so mutlos. Was ich gebraucht hätte, wäre ein Mentor. Jemand, der mich ermutigt und bestärkt und dabei hilft, meine Träume anzugehen. Deshalb mein Tipp: Sucht nach solchen Menschen, die euch fördern. Das können Lehrer sein oder Studienberater oder auch Verwandte und Bekannte. Ihr braucht quasi eure eigenen Cheerleader!

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