Gute Werte – Schlechte Werte

Grüß Gott (oder wahlweise Darwin) Suchender,

wenn wir auf der Suche nach unserem Traumberuf sind, sollten wir darüber nachdenken, was unsere Werte im Leben sind. Also: Was ist mir wichtig? Was will ich aus meinem Leben machen? Was will ich erleben, erreichen oder erschaffen? Und wie?

In diesem Beitrag geht es um zwei Dinge:

  1. Was für Werte gibt es überhaupt so?
  2. Welche dieser Werte sind gut? Und welche dieser Werte sind scheiße? Und warum eigentlich?

1. Welche Werte gibt es überhaupt so?

Sehr, sehr, sehr viele Werte. Der Blogger Steve Pavlina hat mal ne Riesenliste angelegt. Die kannst du hier nachlesen: http://stevepavlina.de/werte-liste

Wenn man diese Liste in ein Worddokument kopiert, kommen 14 Seiten dabei raus. Das ist einfach zu viel. Also habe ich mal ein paar Kategorien für Werte entwickelt.

Meine vier Oberkategorien lauten:

  1. Hedonismus
  2. Macht und Leistung
  3. Persönliche Missionen
  4. Glaube und Spiritualität

Dieser Kategorien sind erstmal weder positiv, noch negativ. Sie enthalten alle gute und schlechte Werte. Keine ist automatisch besser als die andere.

1. Hedonismus

Ich weiß, dass viele dieses Wort nicht mögen. Es klingt für viele nach egoistischen, eingebildeten Luxusbienen.

Hedonismus bedeutet aber erstmal nur „Das Streben nach Genuss und Sinneslust“. Also nach allem, was sich gut anfühlt und Spaß macht. Werte in dieser Kategorie sind zum Beispiel:

Spaß und Action (Abenteuer, Abwechslung, Ausgelassenheit, Spannung, Faszination)

Aufregende Gefühle (Ekstase, Begeisterung, Lebendigkeit)

Angenehme Gefühle (Freude, Genuss, Behaglichkeit, Glücklichkeit)

Ruhe (Erholung, Entspannung, Gechilltheit, Ausgeglichneheit)

Beziehungen (Verliebtheit, Sexualität, Nähe, tiefe Verbundenheit)

Freundschaften (Kameradschaft, Geselligkeit, Loyalität, Gemeinschaft)

Materielle Dinge (Reichtum, Besitz, Komfort, Glamour)

Die pure Indulgence also.

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2. Macht und Leistung

Ja, ein wuchtiger Name für meine Kategorie. Ich meine damit verschiedene Dinge, die mit Karriere und Status zusammenhängen, aber auch damit, sich in dieser Welt behaupten zu können. Werte in dieser Kategorie sind zum Beispiel:

Wettbewerb (Der Beste sein, Durchsetzungsvermögen, Gewinnen)

Beruflicher und privater Erfolg im Leben (Erfolg, Autorität, Macht, Statussymbole- nicht nur Chefsessel, sondern auch Eigenheim, Motorrad und Weltreise)

Leistung (Leistung, Perfektion, Disziplin, Beflissenheit)

Anerkennung (Anerkennung, Berühmtheit, Bestätigung, Beliebtheit)

Autorität (Glaubwürdigkeit, Sicheres Auftreten, Heldentum, Expertise)

Eigenständigkeit (Unabhängigkeit, finanzielle Unabhängigkeit)

Fitness (Sportlichkeit, Stärke, Schnelligkeit, Jugendlichkeit, Attraktivität)

Gewandter Umgang mit Menschen (Charme, Charisma, Extraversion, gute Umgangsformen)

Also klassische Erfolgsfaktoren, von denen man sich zunächst beruflich und dann als Ergebnis der guten Arbeit auch privat ein gutes Leben verspricht.

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Das Statussymbol unserer Generation: Beeindruckende Reisen

3. Persönliche Missionen

Klingt vielleicht ein bisschen abgehoben. Es geht mir darum, dass viele Menschen sich eine oder mehrere Aufgaben im Leben suchen, denen sie nachgehen und die ihre wichtigen Ziele im Leben darstellen. Das können sehr unterschiedliche Missionen sein- ob man nun eine Familie gründen möchte, die Welt retten will oder sich künstlerisch ausleben will- für viele Menschen ist hier etwas dabei. Beispiele für Werte in dieser Kategorie sind:

Familiengründung (Beziehung, Familie, Bindung, Liebe, Harmonie)

Dienst an der Menschheit (Sich nützlich machen, Nächstenliebe, Dienen, Geben, Güte)

Ein guter Mensch sein (Anstand, Aufrichtigkeit, Dankbarkeit, Fairness, Hilfsbereitschaft, Integrität)

Schöpferisch tätig werden/ ein eigenes Werk erschaffen (Kreativität, Inspiration, Originalität, Ideenreichtum, Ausdruck, Schöpfung)

Lernen und sich weiter bilden (Ausbildung, Erkenntnis, Intelligenz, Lernen, Können)

Die Welt verändern (Frieden, Gerechtigkeit, Revolution)

Persönliches Wachstum (Reifen, Lernen, Wachstum, Selbstvertrauen, Gelassenheit)

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4. Glaube und Spiritualität

Diese Kategorie wirkt auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen altmodisch, aber ich kenne wirklich viele Menschen, denen ihr Glaube sehr wichtig ist- oder die sich zunehmend mit Spiritualität befassen. Beispiele für Werte in dieser Kategorie sind:

Innere Einkehr (Reflexion, Innenschau, meditative Haltung)

Die Erleuchtung (Bewusstheit, Klarheit, Befreiung, Erwachen, Präsenz, Heiligkeit)

Spirituelles Alltagsleben (Demut, Bescheidenheit, Sittsamkeit, Achtsamkeit, Genügsamkeit)

Dem spirituellen Pfad folgen (Ausbildung, Lernen, Gehorsam, Frömmigkeit)

Also sich ein wenig von den irdischen Gütern abwenden und sich mehr Gott oder der Weltenseele oder whatever zu zuwenden.

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Wir alle haben verschiedene Werte. Manche Menschen haben Werte aus allen vier Kategorien, manche nur aus ein oder zweien. Manche wollen nur ihr Leben genießen, andere wollen ihr Leben genießen, aber eben auch Karriere machen etc.

Und diese Werte können sich auch mischen. Beispiel: Peter will unbedingt auf Weltreise gehen. Warum?

  1. Es ist ihm wichtig, das Abenteuer Leben auszukosten, Spaß zu haben und sich lebendig zu fühlen. (Werte: Abenteuer, Lebendigkeit, Spaß, Entdeckungen etc.)
  2. Er sehnt sich nach Anerkennung und dem kleinen Fame, den man über einen Reiseblog oder ein Instagramprofil bekommen kann. (Werte: Anerkennung, Beliebtheit, Berühmtheit, besser sein als andere etc.)
  3. Er ist auf der Suche nach einer Aufgabe, der er sich widmen kann. Er möchte gerne die Welt verändern. (Werte: soziale Gerechtigkeit, sich nützlich machen, Hilfsbereitschaft, etwas Neues lernen, aber auch Anerkennung und etwas Großes tun etc.)
  4. Er reist durch Südostasien, um viele spirituelle Erfahrungen in Yogazentren und Tempeln zu machen (Werte: Bewusstheit, Präsenz, lernen, spirituelles Wachstum)

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Wozu überhaupt über Werte nachdenken?

Damit man weiß, was man vom Leben will.

Erstmal ganz allgemein für die Planlosen. Was will ich eigentlich? Was ist mir wichtig? Möchte ich lieber einfach mein Leben genießen oder einen Beitrag zur Welt leisten? Wie wichtig sind mir Anerkennung und Macht? Und so weiter.

Und zweitens um deine Ziele genauer zu verstehen. Dann kannst du aus deinen vagen Ideen und Träume nämlich besser handfeste Pläne für die Zukunft basteln. Mehr zu dem Thema gibt’s hier: https://aufdersuchenachdemgrossenwofuer.wordpress.com/2017/08/20/von-der-vagen-idee-zum-traumberuf/

Und schließlich, damit du unterwegs prüfen kannst, ob dein Weg weiterhin zu dir passt. So kannst du immer mal wieder schauen „Ist mein Leben so, wie ich es mir vorgestellt habe? Passen meine Entscheidungen zu meinen Werten? Haben Dinge, die mir wichtig sind, immer noch die Priorität in meinem Leben?“ etc.

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Gute Werte – Schlechte Werte

Was macht einen Wert gut und was schlecht? Hier eine kleine Liste:

  • Kontrolle
    Gute Werte
    liegen in deiner Kontrolle. Du kannst sie eigenständig erreichen bzw. umsetzen.
    Schlechte Werte liegen außerhalb deiner Kontrolle. Du hast keinen oder nur teilweise Einfluss auf ihre Erreichung bzw. Umsetzung.
  • Glück
    Gute Werte
    machen dir Freude. Sie können auch mal anstrengend sein (z B wenn du hart für einen Traum arbeiten musst), aber sie fühlen sich gut und richtig an und motivieren dich.
    Schlechte Werte belasten dich, überfordern dich oder machen dich traurig. Meistens liegt das daran, dass du diese Werte von anderen übernommen hast, obwohl sie eigentlich gar nicht zu dir passen.
  • Nachhaltigkeit
    Gute Werte
    bereichern dein Leben nachhaltig und langfristig.
    Schlechte Werte bringen dir nur kurze Befriedigung oder Genugtuung. Oder sie sollen dir in einer fernen Zukunft mal etwas bringen, aber du weißt selber nicht so genau, ob und wann das passieren wird.
  • Positiv
    Gute Werte
    sind konkret und/oder positiv. Sie geben dir Energie und zeigen dir einen Weg „ich will XY erreichen“.
    Schlechte Werte sind vage und/negativ. Sie belasten und blockieren dich, aber helfen dir nicht wirklich weiter. „Ich will so nicht mehr leben“.
  • Gut für alle
    Gute Werte
    sind gut für dich und andere. Sie schaden anderen nicht übermäßig.
    Schlechte Werte sind rein egoistisch oder auch rein aufopfernd und schaden damit dir oder anderen sehr.

Mal ein paar Beispiele:

Kontrolle:

  • Gute Werte sind die, für die du die 100%ige Verantwortung übernehmen kannst. Wenn du dich um dein Freizeitvergnügen oder dein Projekt kümmerst, dann ist das voll dein Ding, du bist dein Chef und machst es, wie du es willst. Perfekt!
  • Schlechte Werte hängen von anderen ab. Zum Beispiel Anerkennung und Berühmtheit. Du kannst andere nicht zwingen, dich zu mögen. Wenn du dich danach sehnst, beliebt zu sein, gibst du die Verantwortung für dein Leben in die Hände anderer. Und im schlimmsten Fall lebst du ein durchweg unglückliches Leben, weil die anderen sich nicht so verhalten, wie du es dir wünscht. Das ist scheiße. Es ist ok, von der Berühmtheit zu träumen, aber als einer der wichtigen Werte deines Lebens taugt sie gar nix!
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Auf Streicheleinheiten warten, ist blöd. Sich selbst eine gute Massage gönnen, ist wunderbar.

Glück:

  • Gute Werte machen glücklich. Zum Beispiel macht es dir Spaß, Sport zu treiben und leckere gesunde Gerichte mit Freunden zu kochen, um gesund zu bleiben. Oder du hast Freude daran, anderen Menschen zu helfen und für sie dazusein. Deine Werte passen perfekt in dein glückliches Leben hinein.
  • Schlechte Werte fühlen sich beschissen an. Du willst gesund und schön sein und deswegen quälst du dich stundenlang im Fitnessstudio und sitzt hungrig über der viel zu kleinen Veggiebowl, obwohl du von Burgern träumst. Oder du nimmst dir vor, ein guter Mensch zu sein, aber langweilst dich in deinem Ehrenamt zu Tode und hasst es, zu den anstrengenden Müttern deiner Kitagruppe nett sein zu müssen.
    Du nimmst viel zu viel Unglück und Stress in Kauf, um deine Werte zu erfüllen. Oder scheiterst immer wieder und hast dann ein schlechtes Gewissen.
    Du solltest unbedingt nach Werten schauen, die sich besser für dich anfühlen- oder nach gesünderen und glücklicheren Möglichkeiten, deine Werte zu leben. (z B die Ansprüche an dich runterschalten).
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Werte sollen Spaß machen! Zum Beispiel Gesundheitssorge auf dem Trampolin.

Nachhaltigkeit:

  • Gute Werte sind ein Leben lang toll. Oder zumindest eine ganze Weile. Sie sind nachhaltig. In seine Gesundheit, seine Beziehungen, seine Projekte, eine erfüllende Arbeit und co. zu investieren, macht dauerhaft glücklich. Das erfordert ein bisschen Anstrengung, zahlt sich aber aus.
  • Schlechte Werte sind kurzfristig gut. Dazu gehören viele Werte aus der Hedonismus-Kategorie, vor allem Gefühle wie Freude, Ekstase, Aufregung, Spaß. Problem dabei: Sie halten nicht an, deswegen muss man immer nach dem nächsten Kick suchen. Typisches Beispiel: Wer sich gut fühlen will und deshalb Drogen nimmt. Der braucht immer wieder und mit der Zeit immer mehr Drogen. Das gilt auch für gutes Essen, Partys und Reisen. Man gerät in ein Hamsterrad und irgendwann wird es anstrengend.
    Außerdem langweilt man sich mit der Zeit oft. Nach 100 Partys ist der Reiz irgendwann verpufft. Wenn man dann keine langfristigeren Lebensziele hat, kann es schnell richtig öde werden.
    Deshalb: Hedonismus macht Spaß und ist erlaubt! Genieß dein Leben! Aber such dir trotzdem auch andere Werte, für die du leben kannst.
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Nachhaltige Werte machen nicht 24/7 Spaß, aber bereichern unser Leben trotzdem umso mehr.

Positiv:

  • Gute Werte sind konkret und/oder positiv. Du fühlst dich von ihnen inspiriert und entwickelst Ideen. Sie sind auch zumindest ein bisschen konkret. Sowas Abstraktes wie „Weltfrieden“ ist für viele zu groß und zu weit weg. Aber Gewaltfreiheit im Reden und Handeln im eigenen Leben ist etwas, was man aktiv umsetzen kann. Oder Mitwirkung an einer pazifistischen Bewegung als persönliche Mission.
  • Schlechte Werte sind abstrakt und/oder negativ. Du weißt, was du nicht willst, hast aber überhaupt keine Idee, was du willst. Ein negativer Wert ist „nie mehr von einer Frau abhängig sein“. Wie macht man so ein „Nie-Mehr“? Schwierig. Stattdessen sind positive Werte Eigenständigkeit, finanzielle Unabhängigkeit und Selbstwertgefühl. Die kann man angehen und verwirklichen. Aus schlechten Werten kann man keine konkreten Ziele ableiten. Sie sind irgendwie da, aber sie helfen dir nicht weiter. Deshalb umwandeln in positiv formulierte Werte.
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Mit guten Werten kann man sich direkt raus ins Leben stürzen

Gut für alle:

  • Gute Werte sind gut für dich, gut für deine Mitmenschen und idealerweise auch gut für den Planeten. Das heißt aber nicht, dass wir alle Veganer werden müssen. Wenn du darauf Lust hast, super. Wenn du aber liebend gerne Fleisch isst, ist das auch ok. Deine Werte müssen nicht perfekt sein. Aber sie sollten wertvoll sein, also einen Mehrwert für dich und andere schaffen. Zum Beispiel klassische Tugenden wie Aufrichtigkeit, Anstand, Respekt. Oder wertschöpfende Handlungen, zum Beispiel kreative Arbeit, ein ökologischer Lebensstil, soziales Engagement, gute Beziehungen mit anderen Menschen, eine gute Arbeit leisten etc.
  • Schlechte Werte schaden dir und anderen. Sie bieten keinen Mehrwert. Du fühlst dich nicht besser mit ihnen und andere leiden darunter. Zum Beispiel wenn du dir eine hohe Position im Unternehmen durch Mobbing und Intrigen erkämpfst. Oder wenn dir deine persönliche Sicherheit wichtiger ist als die Einhaltung der Menschenrechte in deinem Land. Oder wenn du dich für andere völlig aufopferst bis zur Erschöpfung und selbst wahnsinnig unglücklich bist.

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Strategie für deine Zukunftsplanung

1. Finde heraus, was deine Werte sind. Du kannst Listen mit Werten lesen oder selbst überlegen, was dir wichtig ist- im Beruf, in deiner Familie, in deinen Hobbys, für diesen Planeten etc.

2. Prüfe, ob deine Werte „gut“ sind. Wenn sie „schlecht“ sind, schau ob du sie in „gute“ Werte umwandeln kannst.

3. Mach dir eine Prioritätenliste. Welche Werte sind dir am allerwichtigsten?

4. Suche nach einem Beruf, der dir ein Leben im Einklang mit deinen Werten ermöglicht.

5. Prüfe unterwegs immer wieder kritisch, ob du immer noch nach deinen Werten lebst oder ob du dich wieder verloren hast.

Ja, das ist jetzt gerade schnell und leicht runtergeschrieben. Bedeutet aber natürlich eine riesengroße Lebensaufgabe. Aber es lohnt sich, versprochen!

Ein Tipp unterwegs: Sei ehrlich mit dir. Du musst es ja niemandem sonst verraten. Aber wenn du Reiseblogger bist, weil deine Werte Spaß, Berühmtheit und „besser als deine Mitschüler sein“ sind, dann sag dir das auch so klar. Es nützt niemanden was, wenn du versuchst, dir selbst vorzulügen, du würdest aus Wissbegierde, dem Wunsch nach persönlichen Wachstum und Demut vor der Welt reisen.
Wenn du dir deine echten Werte nicht eingestehst, wirst du auch niemals ein Leben im Einklang mit ihnen leben können.

(Bilder:www.pixabay.de)

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