Ich würde ja… wenn nur diese verdammte Antriebslosigkeit nicht wäre

…. mhm, Morgen Suchender *Schlafausdenaugenkratz*,

na, auch so unmotiviert wie ich? Es ist doch scheiße- da will man endlich herausfinden, welcher Beruf zu einem passt, will auf Studienmessen gehen, Praktika machen, sich ehrenamtlich engagieren, ne weitere Fremdsprache lernen, sich in Vorlesungen setzen und an Schnuppertagen für Ausbildungen teilnehmen… und dann ist dieses Sofa so bequem und diese Serie gerade sooo spannend…

Woher kommt diese Antriebslosigkeit? Und was machmer dagegen?

Woher kommt die Antriebslosigkeit?

Meiner Meinung nach gibt es dafür vor allem 2 Quellen:

1. Du hast innere Widerstände gegen das, was du tun willst. Denn auch als fauler Menschen kriegen es viele problemlos hin, zu Festivals zu fahren und vorher Bier und Bockwürste zu besorgen. Sie können sich dazu motivieren, nachts um drei aufzustehen, um Tickets für die WM zu ergattern. Oder sie stehen zwei Stunden vor dem Spiegel, um bei der Party nachts toll auszusehen. Wenn uns etwas begeistert, können wir oft ungeahnte Energiereserven ausschöpfen. Wenn wir diese Energie nicht aufbringen, dann scheint uns etwas zu hemmen, unsere Begeisterung runterzukühlen und uns abzuhalten.

2. Dein Belohnungssystem ist ein Arsch. Es macht einfach viel mehr Spaß, auf dem Sofa zu liegen, Pizza zu mampfen und Netflix zu suchten, weil wir hier und jetzt sofort Befriedigung finden. Dinge vorzubereiten, die irgendwann später mal Spaß machen, ist halt im jetzigen Moment überhaupt nicht befriedigend. Oft sind Teenager und junge Erwachsene besonders anfällig dafür, ihrem Belohnungssystem nachzugeben, weil sie es nach der Kindheit zum ersten Mal können (früher durften wir nicht den ganzen Tag fernsehen, Junkfood futtern und bis spätnachts aufbleiben) und dann eben erstmal voll auskosten.

Also mal ehrlich: Wenn dir jemand anbieten würde- Entweder in einem stürmischen Gebiet gegen krassen Gegenwind ankämpfen, um hoffentlich irgendwann zu einem netten Aussichtspunkt zu kommen oder gemütlich am Pool im Liegestuhl zu sitzen und Cocktails zu schlürfen… wofür würden sich wohl die meisten von uns entscheiden?

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Was machen wir jetzt gegen die Antriebslosigkeit?

Zwei Sachen:

1. Widerstände und Hemmungen abbauen

2. Einen Deal mit unserem Belohnungssystem abschließen.

1. Widerstände und Hemmungen abbauen

Das Wichtigste dabei zuerst: Die Widerstände erkennen. Was hält mich davon ab, aktiv zu werden?

Mögliche Gründe:

  • Du traust dir nix zu und willst dich nicht mit deinen eigenen Unzulänglichkeiten konfrontieren.
  • Du denkst, du hast jetzt alle Möglichkeiten, aber wenn du dich für etwas entscheidest, wirst du dich einsperren und fortan ein beschränktes, eintöniges und vor allem für immer auf diesen Beruf verdammtes Leben führen.
  • Du hast ein negatives Bild von Ausbildungen/Studium/Arbeitsmarkt und glaubst, dass es von jetzt an eigentlich nur noch bergab gehen kann.
  • Dir fällt Recherchieren enorm schwer und es frustriert dich, Stunden vorm PC zu hängen und irgendwie nichts zu finden.
  • Du bekommst Druck, z B von deinen Eltern, dass du endlich was machen sollst und das macht dich wütend und trotzig.
  • Du bist überfordert von den tausend Möglichkeiten und hast keinen blassen Schimmer, wo du mit deiner Suche überhaupt anfangen sollst.
  • Deine PC-Suche ist abgeschlossen. Jetzt musst du raus in die Welt und mit Menschen reden- und du bist schüchtern. Oder einfach misantrop.

Vielleicht ist es auch etwas anderes. Aber Klarheit hilft schon mal. Zum einen fühlt man sich oft mies, wenn man sich selbst für faul hält und macht sich Vorwürfe. Das tut weh und hilft dir in dieser Situation gar nicht weiter. Deshalb ist es gut, wenn du schon mal weißt, dass du nicht faul bist- jedenfalls nicht fauler als andere auch.

Und zum anderen kannst du das dann angehen. Es gibt in meinem Blog und auf anderen Internetseiten bzw. in Büchern viel zu solchen Widerständen und was man dagegen machen kann. Sobald du weißt, was dich hemmt, kannst du dich mehr damit beschäftigen und Lösungsstrategien entwickeln.

In der Regel lautet die Lösung meist: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Das heißt, dir deine Ängste und Unsicherheiten bewusst sein, aber trotzdem angreifen. Gerne auch mit kleinen Tricks.

  • Denk dir z B „Okay, ich bin schüchtern und das ist auch okay so. Aber ich muss die Studienberatung trotzdem kontaktieren- also Augen zu und durch. Oder ich mache es per Mail, statt per Telefon. Oder ich gehe gemeinsam mit einem Freund/einer Freundin in die offene Beratungsstunde. Oder ich warte, bis ein Freund in der Beratung war und lasse mir nachher alles haarklein erzählen, damit ich mich innerlich besser vorbereiten kann. Oder ich bringe den Mut auf, gleich zu Anfang zu sagen, dass ich nervös bin und noch keine Ahnung habe- dann werden sie bestimmt nett und umsichtig sein“.
  • Oder „Okay, ich glaube, dass jede Entscheidung schwerwiegend für mein ganzes Leben ist und deshalb will ich mich einfach nicht entscheiden. Aber ich kann ja kleinere Entscheidungen treffen. Ich mache erstmal nur ein Schnupperstudium. Oder ein Praktikum. Oder setze mich in ein paar Vorlesungen. Oder wähle ein extrem allgemeines Fach, um mir so viele Perspektiven wie möglich offenzuhalten…“

Wenn du deine Widerstände kennst, kannst du nach Wegen suchen, sie ein bisschen zu umgehen oder in Schach zu halten.

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Guter Plan: Gemeinsam statt allein drauf los!

2. Einen Deal mit deinem Belohnungssystem abschließen

Mache schöne Dinge in deinem Leben wirklich zu einer Belohnung. Mache Deals aus „ich darf XY, wenn ich vorher AB getan habe.“

Beispiele gefällig?

  • Ich darf mich morgens erst an den PC setzen bzw. aufs Smartphone schauen, wenn ich geduscht habe, angezogen bin und ein gesundes Frühstück am Frühstückstisch (gemeinsam mit meiner Familie/meinen Mitbewohnern) zu mir genommen habe.
  • Ich hole mir jeden Morgen von Montag bis Freitag mein Frühstück beim Bäcker/im Supermarkt/im Bioladen. Dafür muss ich raus vor die Tür. Ich will dorthin joggen, aber wenn ich unmotiviert bin, darf ich auch Rad fahren, zu Fuß gehen oder im schlimmsten Fall Auto fahren. Hauptsache ich gehe raus. Und vor dem Frühstück darf ich nix machen- kein Fernseher, kein PC, kein Smartphone.
  • Ich beschäftige mich jeden Tag eine Stunde mit der Suche nach Ausbildungsplätzen bzw. Studiengängen. Danach darf ich Netflix schauen. Wenn ich die Suche ausfallen lasse, ist Netflix tabu.
  • Ich mache mit meinen Freunden das Abkommen, dass wir zusammen zur Uni fahren oder zu Jobmessen oder zur Agentur für Arbeit. Danach gehen wir zusammen was trinken oder ins Kino oder shoppen oder gehen unserem Hobby nach.
  • Ich stehe jeden Morgen um spätestens 10 Uhr auf. Meine elektronischen Geräte darf ich erst ab 18 Uhr benutzen. Ich kann in der Zwischenzeit machen, was ich will, nur das nicht.

Und so weiter. Ich schreibe immer von elektronischen Sachen, weil die uns klassischerweise am meisten lähmen und unsere Zeit verschwenden. Aber es kann auch was anderes sein. Du kannst es ersetzen durch deine Gitarre, Torten backen, Kriminalromane oder Kiffen. Was immer es ist, womit du einen Großteil deines Tages verbringst, schränke es ein.

Wichtige Tipps gegen das Versumpfen:

  1. Schaffe dir eine klare Tagesstruktur. Steh zu einer bestimmten Zeit auf und führe ein Morgenritual ein. Gib dir feste Termine, die du einhältst.
  2. Tue Dinge, die dich anregen. Dazu gehören vor allem Sport, Rauskommen aus der gewohnten Umgebung, gesunde Ernährung und ein gewisses Maß an Ordnung. Mein Freund schwört auf kalte Duschen… da wär ich aber raus XD
  3. Schränke Dinge ein, die dich träge machen. Das sind vor allem elektronische Geräte, Fastfood und alles, womit du Zeit totschlägst. Verringere die Zeit, die du dafür aufwendest.
  4. Keine Verbote. Du sollst ja nicht verbittern. Und du brauchst auch keine Askese, um zum Ziel zu kommen. Gönn dir ruhig deine Belohnung, aber eben nicht rund um die Uhr, sondern jeden Tag ein bisschen und an bestimmten Tagen, z B am Wochenende, mehr.
  5. Mache klare Verabredungen mit dir, wann du dich wieviel um das Thema Ausbildungs-/Studien-/Jobsuche kümmern willst. Setz dir keine übermenschlichen Ziele: Wenn du z. B. den Umgang mit Menschen hasst, solltest du dir nicht gleich jeden Tag ein Telefonat oder eine persönliche Beratung aufbrummen. Sei aber fordernd genug, damit auch was draus wird. Und belohn dich im Anschluss ein bisschen.

Wenn du es nicht schaffst, die Disziplin für eine eigene Tagesstrukturierung aufzubringen, dann empfehle ich dir, einen kleinen Nebenjob zu suchen. Da bekommst du von außen eine Struktur, an die du dich halten musst. Das hilft sehr gegen das Versumpfen. Und als kleiner Nebeneffekt springt auch noch Geld dabei raus.

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Den Morgen mit Joggen beginnen, kann Wunder bewirken

Kleines Beispiel von mir

Ich suche eigentlich gar keinen Job. Ich habe ja schon einen und bin auch glücklich damit. Aber trotzdem finde ich, dass ich manchmal verdammt viel Zeit totschlage. Und das fühlt sich dann auch so tot an. In einem 9 to 5 Job kann einem schnell die Lebendigkeit und die Lebensfreude abhanden kommen.

Also bin auch ich drum bemüht und habe schon gute Gewohnheiten etabliert, wie regelmäßig Sport treiben und Freunde treffen. Aber jetzt hat mir noch eine Sache in die Tasche gespielt: In Ba-Wü wurde das analoge Fernsehen abgeschaltet. Ich habe daraufhin keinen digitalen Receiver gekauft, sondern meinen Laptop am Fernseher angeschlossen, um bei Bedarf über zatoo Fernsehen zu schauen. Bis jetzt habe ich meine Abende oft so verbracht: Fernsehen läuft im Hintergrund und ich schreibe bei facebook, sitze an diesem Blog, lese sinnlose Bentoartikel und spiele hundert Runden Spider Solitaire. Nur sinnlos, sehr zeitfressend und irgendwie träge. Jetzt geht das nicht mehr, denn mein Laptop steht auf meinem Fernsehtisch. Ich kann nur ungeschickt daneben hocken- also völlig ungemütlich und nicht zum Dauersurfen geeignet.

Dadurch habe ich jetzt irre viel freie Zeit. Und das merke ich sehr deutlich. Normalerweise habe ich sonntagsmorgens als erstes den Computer angemacht. Gefühlt drei Stunden später habe ich dann gefrühstückt- oft vorm Computer. Dann bin ich erst nachmittags ein bisschen rausgekommen und mein Abwasch musste bis spätnachts warten. Jetzt chille ich nach dem Aufstehen auch erstmal- aber nach ner halben Stunde wird Tagträumen langweilig. Also geh ich zum Bäcker, frühstücke in Ruhe und mach dann eben mal den Abwasch- geht schnell und habe ja eh nix Besseres zu tun. Gegen Mittag bin ich fertig- mit Frühstück, Wohnungsputz, Duschen- und weiß manchmal gar nicht, was ich mit der vielen Restzeit anfangen soll. Eine tolle Erfahrung! Kann ich nur weiterempfehlen.

Also kämpfen wir zusammen gegen die Prokrastination!

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PS: Deine Antriebslosigkeit ist so enorm, dass keiner dieser Tipps auch nur ansatzweise hilft? Dann könnte das ein Anzeichen für Depressionen sein.
Depressionen sind eine ernste Erkrankung. Bitte geh zu deinem Hausarzt und klär das ab!
(Fotos: http://www.pixabay.de)

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